Wenn es dem Pferd auf den Magen schlägt...

Maßnahmen bei Magengeschwüren bei Pferden - Teil 3


Zum Wohl des Pferdes sollte eine Tagesration immer präventiv gestaltet werden, denn „vorbeugen ist immer besser als heilen“. Grundsätzlich ist die Magenschleimhaut der Pferde sehr anfällig für Schädigungen. Der Ausspruch „ich habe einen Magen wie ein Pferd“ um einen sehr stabilen und unempfindlichen Magen zu bezeichnen, kann nicht richtig nachvollzogen werden.
Ist jedoch festgestellt worden, dass Magenschleimhautläsionen bzw. Magengeschwüre bereits vorliegen, dann muss immer der Tierarzt die weitere Therapie bestimmen. Es steht außer Frage, dass die Anpassung des Futtermanagements und der Einsatz von speziellen Futtermitteln immer nur eine unterstützende Funktion besitzen können. Diese unterstützenden Maßnahmen können jedoch zum Heilungserfolgt einen wichtigen Beitrag leisten und präventiv sein, damit das Magengeschwür nicht wiederkehrt. Im Idealfall sollen Schädigungen der Magenschleimhaut natürlich erst gar nicht auftreten. Schädigungen der Mucosa der Magenschleimhaut sollen immer zügig abheilen und wenn möglich den Zustand vor der Erkrankung wieder erreichen. Der Heilungserfolg und die Heilungsgeschwindigkeit sind sicherlich vom Umfang und der Tiefe der Schädigungen abhängig. Oberflächliche Schädigungen der kutanen Schleimhaut können bereits nach ca. einer Woche abheilen, während tiefe Magengeschwüre in der Drüsenschleimhaut ca. drei Monate benötigen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Pferden mit Magengeschwüren

Den Pferden mit Magengeschwüren muss zuerst der Schmerz genommen werden und die Magengeschwüre müssen abheilen können. Im Idealfall muss die primäre Ursache für diese Magengeschwüre ausgeschaltet werden, damit zukünftig keine neuen Magengeschwüre auftreten können. Wie bereits beschrieben muss die Behandlung immer durch den Tierarzt erfolgen, während mit Hilfe des Pferdefutterberaters die Tagesration analysiert werden kann. Der Futterberater kann das Fütterungsmanagement spontan und auch langfristig optimieren indem er gezielt Spezialfuttermittel zur Unterstützung der Magensituation empfehlen kann. Sollte kein Pferdefuttermittelberater vor Ort sein, kann auch die Pferdefuttermittelhersteller direkt kontaktiert werden.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt der Behandlung ist immer die Erhöhung des pH-Wertes im Magen.
Dies bedeutet eine Reduzierung der…
  • Magensäuresekretion in der Magenschleimhaut
  • Säureneubildung durch Fermentation von Futterkohlenhydraten im Magen
  • Säureeintrages über das Futter in den Magen
Therapeutische Maßnahmen müssen immer mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden, wobei die diätetischen Maßnahmen immer nur eine unterstützende Funktion haben können, um die Magengesundheit des Pferdes zu fördern.

Maßnahmen zur Vorbeugung bzw. Behandlung von Magengeschwüren beim Pferd:
  • Einsatz von Medikamenten nur nach Absprache mit dem Tierarzt (z.B. Omeprazol usw.)
  • Einsatz von sogenannten „Filmbildnern“ z.B. Sucralfat als Hydroxyaluminiumsalz der Saccharose in Kombination mit Omeprazol nur nach Absprache mit dem Tierarzt
  • ausschließlich hygienisch einwandfreie Futtermittel verfüttern um Fehlgärungen im Magen zu vermeiden
  • regelmäßiger Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser
  • Einsatz eines Heunetzes zur Verlängerung der Kauzeiten
  • ausreichend Grundfutter
  • reduzierter Stärkeanteil in der Tagesration
  • Raufutter (z.B. Heu) sollte vor dem stärkehaltigen Krippenfutter verfüttert werden um die Krippenfutteraufnahme zu verlangsamen
  • beim Einsatz von stärkereichem Krippenfutter erst 3 bis 5 Stunden nach der letzten Gabe mit der Arbeit beginnen
  • häufige Mahlzeiten in kleinen Portionen (stärkehaltiges Krippenfutter)
  • nach Möglichkeit vermehrte Weidehaltung
  • ausreichend strukturiertes Raufutter
  • Ölzugabe zur Reduzierung der Säurekonzentration im Magen
  • Zufütterung von Pektinen
  • Zufütterung von Lecithin
  • Einsatz von nutritiven Antazida über das Futter z.B. Natriumbicarbonat, mineralisches Calciumcarbonat (kohlensaurer Futterkalk, Algenkalk) bzw. Calcium aus Luzerneprodukten, Magnesiumoxid
  • Einsatz von speziellen Magenprotektiva z.B. Leonardit (Huminkomplex)

Einsatz von Medikamenten

Über den Einsatz von Medikamenten hat der Tierarzt die Möglichkeit, die Bildung der Salzsäure zu unterdrücken, um damit den pH-Wert anzuheben. Aus dem Humanbereich ist z.B. das Medikament Omiprazol bekannt, das auch von Tierärzten verschrieben wird. Der ideale Zeitpunkt der Aufnahme vor oder nach dem Füttern muss mit dem Tierarzt abgesprochen werden.


Reduzierter Stärkeanteil

Oft ist das Auftreten von Magengeschwüren bei Pferden mit einer erhöhten Stärkeaufnahme über das Futter verbunden.
Sollte zu dem strukturierten Grundfutter dem Pferd ein Ergänzungsfuttermittel zugefüttert werden, dann sollte darauf geachtet werden, dass der Stärkeeintrag über das Ergänzungsfuttermittel reduziert ist und somit ein weiterer Risikofaktor für das Auftreten von Magenläsionen entfallen kann.
Grundsätzlich sollten keine stärkereichen Komponenten wie z.B. Getreide in dem Ergänzungsfuttermittel enthalten sein. Im Idealfall ist dieses getreidefreie Ergänzungsfutter in Form eines Müslis strukturiert und kann damit auf Grund des vermehrten Kauens die Speichelsekretion anregen. Weiterhin sollte es keine Strukturfaser wie z.B. Luzernehäcksel enthalten, die die Magenschleimhaut mechanisch reizen können, sondern das weiche Timothee Heu. Weiterhin können sekundäre Pflanzenstoffe aus der Esparsette die Magen-Darmfunktion nachhaltig unterstützen. 

Anzahl der Mahlzeiten

Wenn die Pferde ausreichend energetisch versorgt werden müssen, dann sollte ein stärkehaltiges Krippenfutter immer nur in kleinen Mengen je Mahlzeit verfüttert werden. Damit wird prozentual eine zügige Magenentleerung erreicht und es können aus der Stärke im Magen keine flüchtigen Fettsäuren mehr gebildet werden. 


Weidehaltung

Das tägliche Grasen auf der Weide hat eine unterstützende Wirkung beim Abheilen von Schädigungen der Magenschleimhaut. 


Ölfütterung

Grundsätzlich kann über eine Zugabe von Öl zur Tagesration der Stärkegehalt energetisch ausgeglichen werden. Durch die Zugabe von Öl soll die Säurekonzentration im Magen reduziert werden. 


Pektinzufütterung

Die Gruppe der Pektine kann freie Wasser im Verdauungstrakt binden und in Form von Hydrokolloide regelrecht einbauen, so dass Pektine häufig zur nutritiven Therapie von Durchfallerkrankungen eingesetzt werden.
Bei den Pektinen handelt es sich um Polygalacturonsäuren, die eine große Gruppe von verschiedenen Pektinen umfasst. Folglich sind Pektine nicht gleich Pektine und gelieren unter unterschiedlichen Bedingungen (pH-Wert, Zucker- bzw. Ca-Gehalt). Pektine sind z.B. in Rübenschnitzeln enthalten und erklären, warum trockene Rübenschnitzel dieses starke Quellverhalten zeigen und vor dem Verfüttern immer eingeweicht werden müssen. Wie aus der Pferdepraxis bekannt ist, kann es bei einer unkontrollierten Verfütterung zur Schlundverstopfung kommen. Reines Pektin kann großtechnisch aus Zitrusfrüchten oder auch aus Apfelschalen gewonnen werden und wird ausschließlich in speziellen 
Ergänzungsfuttermittel verwendet, um eine Fehldosierung zu vermeiden. Eine separate Zufütterung von reinem Pektin ist für das Pferd zu gefährlich und sollte unterlassen werden. Bestimmte Pektinquellen sollen Gallensäuren binden und damit die Magenschleimhaut schützen und stabilisieren. 


Lecithinzufütterung

Lecithin gehört zur Gruppe der komplexen Lipide (Fette), den sogenannten Phospholipiden. Diese Phospholipide sind wichtige Bestandteile von biologischen Membranen. Als strukturelle Komponenten der Zellmembranen sichern sie die Unversehrtheit der Magenschleimhautzellen der Pferde. Grundsätzlich wird in der Pferdefütterung durch den Einsatz von Lecithin eine Verbesserung der Verdaulichkeit der Futterfette und der fettlöslichen Vitamine, wie z.B. Vitamin E erreicht. Eine alleinige Zugabe von Lecithin soll sich sogar negativ auswirken und Magengeschwüre fördern. Erst die Kombination von Lecithin und Pektin in einem Komplex soll das Auftreten von Magengeschwüren wieder reduzieren können. 


Einsatz von nutritiven Antazida über das Pferdefutter
Zusätzliche Calciummengen über das Pferdefutter

Eine hohe Aufnahme des Mengenelementes Calcium (Ca2+) soll die basale Salzsäuresekretion reduzieren. Die Calciumionen sollen an die Belegzellen der Magenschleimhaut gelangen und dort hohe inter- und intrazelluläre Ca-Konzentationen verursachen, die wiederum die HCl-Produktion reduzieren. Folglich hätte der Einsatz von zusätzlichen Calciumgaben in der Pferderation einen positiven Effekt, indem durch Calcium die Entwicklung von kutanen Schleimhautläsionen reduziert wird. Für die Praxis bedeutet dies, dass z.B. die tägliche Gabe eines Pferdeminerals die ausreichende Versorgung mit Calcium sicherstellen kann.
 Eine längerfristige Überversorgung mit Calcium ist jedoch nicht gewünscht, da die Pferderation ausgewogen sein muss. Gerade das Ca:P Verhältnis sollte in einer Rationsberechnung längerfristig nicht über 2 liegen. 


Algenkalk

Eine hochwertige Calciumquelle stellt der sogenannte Algenkalk dar, der eine puffernde Wirkung aufweist.
Spezielle Meeresalgen sind in der Lage Calciumcarbonat als kalkhaltige Hülle (Kalkkruste) oder als kalkhaltiges Skelett auszuscheiden. Diese sogenannten Kalkalgen sind Pflanzen, die im Meer regelrecht geerntet werden. Sie enthalten einen hohen bioverfügbaren Gehalt an natürlichem Calcium (Calciumcarbonat), Magnesium (Magnesiumcarbonat) und Spurenelementen. Algenkalk hat im Magen eine puffernde Wirkung, indem zu viele Säuren in ihrer negativen Wirkung gestoppt werden, so dass der 
pH-Wert relativ konstant gehalten wird. Algenkalk besitzt jedoch eine geringere puffende Wirkung als z.B. Natriumbicarbonat. 


Magnesiumoxid

Natürlich vorkommendes Magnesiumcarbonat (Magnesit) wird bei sehr hohen Temperaturen gebrannt und es entsteht Magnesiumoxid (kaustisch gebrannte Magnesia), dass an die Pferde verfüttert werden kann. Magnesiumoxid ist folglich ein mineralisches Einzelfuttermittel (Futtermittelausgangserzeugnis), das als „kaliziniertes Magnesiumoxid“ mindestens 70% MgO enthalten muss. In der Regel besteht das Magnesiumoxid aus 83% MgO, 4,5% CaO (Calciumoxid) und 4,0 % SiO2 (Siliziumoxid).
Neben MgO ist auch Eisenoxid (Fe2O3) im Magnesiumoxid enthalten, das je nach Gehalt die Farbe bestimmt. Magnesiumoxid mit ca. 0,04% Eisenoxid ist rein weiß, während Magnesiumoxid mit ca. 4,0% Eisenoxid eher hellbraun ist. Folglich ist Magnesiumoxid nicht gleich Magnesiumoxid. Für den Einsatz bei Pferden sollte, wie im Lebensmittelbereich, hochaufbereitetes, weißes Magnesiumoxid verwendet werden.
Im Magen reagiert das Magnesiumoxid mit der Säure (z.B. Salzsäure) zu Magnesiumchlorid und Wasser. Die Magensäure kann somit neutralisiert werden. 
Im SALVANA MAGEN-AKUT wird ein spezielles weißes Magnesiumoxid zur Neutralisation der Magensäure eingesetzt, dass durch einen hohen Gehalt an Magnesium- und einen niedrigen Eisenoxidgehalt gekennzeichnet ist um die höchste Wirksamkeit zu erreichen.
Eine Überversorgung der Pferde mit Magnesium kann abführend wirken. Folglich sollte immer eine bedarfsgerechte Magnesiumversorgung der Pferde angestrebt und die Einsatzempfehlung des Herstellers immer eingehalten werden. 


Natriumbicarbonat

Natriumbicarbonat kann auf Grund seiner schlechten Schmackhaftigkeit nur über ein spezielles Ergänzungsfuttermittel an das Pferd verfüttert werden. Die Wirkung zeigt sich relativ schnell, da das Bicarbonat aus dem Natriumbicarbonat wie das natürliche Bicarbonat aus dem Speichel unmittelbar mit der Säure im Magen eine Reaktion eingeht.
Grundsätzlich muss ein Abusus von Natriumbicarbonat vermieden werden. Weiterhin sollte Natriumbicarbonat nur für einen kurzen Zeitraum (ca. 1 Woche) eingesetzt werden um gezielt bei akuten Problemen, wie bei einer reduzierten Futteraufnahme, den Magen zu unterstützen. Das Pferd wird entlastet und der erste Druck ist erstmal genommen worden. Parallel dazu muss die Ursache für die Magenläsionen z.B. mit Hilfe einer genauen Erfassung der eingesetzten Futtermittel in einer Rationsberechnung eingegrenzt werden. Im Anschluss daran kann dann zur Unterstützung der Magenfunktion ein Ergänzungsfuttermittel unbegrenzt eingesetzt werden, das die Magenschleimhaut schützt und deren Regeneration unterstützt.
Es muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass Natrium-Bicarbonat/Natriumhydrogencarbonat nur bei „bedarfsgerechter“ oraler Gabe ADMR-konform ist. 


Spezielle Magenprotektiva z.B. Leonardit (Huminkomplex)

Unter der Bezeichnung Leonardit werden futtermittelrechtlich sogenannte Humate zusammengefasst. Als Humate werden die Salze der Huminsäuren bezeichnet, die in der Praxis eher als Huminstoffe bekannt sind und aus der Humifizierung von organischem Material entstanden sind. Huminstoffe besitzen filmbildende Eigenschaften im Verdauungstrakt und können so eine durchgängige Schutzschicht auf der Oberfläche der Magenschleimhaut bilden (sogenannter schleimhautprotektiver Effekt). Folglich ist primär von einer schleimhautassoziierten Wirkungsweise auszugehen. Weiterhin liegen auf Grund der hohen Neutralisationsfähigkeit eine hohe Pufferkapazität und Komplexbildungseigenschaften vor.
Der Einsatz von Huminstoffen ist bei Pferden zeitlich nicht begrenzt, so dass Ergänzungsfuttermittel mit Huminstoffen über einen längeren Zeitraum verfüttert werden können. Dies ist für Pferde, die ständig mit Problemen mit der Magenschleimhaut zu kämpfen haben, von großem Vorteil.

Der Nachteil der Huminstoffe ist jedoch, dass sie eine sehr feine Struktur besitzen und gleichzeitig sehr intensiv schwarz färben. In der Futtermittelherstellung und in der Fütterungspraxis können sie so technisch kaum eingesetzt werden.
Mit der Entwicklung einer neuen Anwendungstechnik kann SALVANA ein neues Ergänzungsfuttermittel anbieten, das einen hohen Anteil von Huminstoffen enthält ohne dabei zu färben. In der SALVANA 
typischen Drageeform ist es jetzt möglich, einfach und unkompliziert ohne Verluste die Huminstoffe an die Pferde zu verfüttern. Ein unangenehmes Abfärben in der Hand oder am Maul der Pferde besteht nicht mehr.

Die Dragees lösen sich unmittelbar im Magen auf und setzen die Huminstoffe direkt frei, die sich dann auf die Magenschleimhaut legen können.
Grundsätzlich sollte die Fütterung des Pferdes immer ganzheitlich betrachtet werden. Auf Grund der Vielschichtigkeit der Problematik muss die gesamte Ration des Pferdes analysiert und optimiert werden. Spezielle Ergänzungsfuttermittel können und dürfen immer nur eine unterstützende Funktion besitzen und können ein Medikament niemals ersetzen.



19.01.2023 Dr. Ernst Stephan SALVANA TIERNAHRUNG GmbH

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