Durchfall beim Pferd

Durchfall ist die Bezeichnungen für das eigentliche Symptom einer Erkrankung. Grundsätzlich beschreiben Symptome die Anzeichen oder Merkmale eines Krankheitsprozesses. Die Summe aller Symptome beschreibt das klinische Bild einer Krankheit. Leider wird die eigentliche Krankheitsursache beim Durchfallgeschehen damit noch nicht erklärt.

Im Unterschied zum Durchfall wird der Begriff Kotwasser verwendet, wenn die Pferde ganz normal geformte Pferdeäpfel absetzen und unabhängig vom Kotabsetzen zusätzlich freies Wasser im Strahl abgeben. Das umfangreiche Thema Kotwasser beim Pferd wird in einem separaten Fachartikel erläutert.


Was beschreibt einen Durchfall beim Pferd?

Durchfall wird auch als Diarrhö bezeichnet und ist auch bei vielen anderen Tierarten bekannt. Grundsätzlich ist bei Durchfall die Kotkonsistenz verändert, indem die Pferdeäpfel nicht mehr geformt sind, da der Wassergehalt im Kot erhöht ist. Da bei Durchfallerscheinungen der Wassergehalt im Kot erhöht ist, ist rechnerisch dann der Trockensubstanzgehalt (%) im Kot erniedrigt. Die Pferdeäpfel sind ungeformt und werden kontinuierlich abgesetzt.

Der Kotabsatz findet in der Regel 8-12mal am Tag statt und entspricht durchschnittlich 12-16 Kothaufen pro Tag. Hochtragende Stuten setzen in der Eröffnungsphase der Geburt häufiger kleinere Kotmengen ab. Pferde mit Durchfallerscheinungen koten in der Regel häufiger ab. Dies ist für den Pferdehalter leicht zu erkennen. In frisch aufgefangenem Kot können neben dem Trockensubstanzgehalt weitere Parameter wie z.B. der pH-Wert bestimmt werden, die den Pferdekot genau beschreiben. Bei einer Heulage- bzw. Heufütterung bewegt sich der pH-Wert im Pferdekot zwischen 6,4 und 6,7.

Bei gesunden Pferden ohne Durchfallerscheinungen sind in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der individuellen Pferderation (z.B. junges Weidegras oder hohe Kraftfuttermengen) natürliche Schwankungen im Kot-Trockensubstanzgehalt immer zu erwarten. Diese lassen sich ganz klar von einem Pferd mit Durchfallgeschehen abgrenzen. Ein Pferd, das viel Kraftfutter täglich erhält, wird eher einen höheren TS-Gehalt im Kot besitzen als ein Pferd, das sehr viel Heulage oder viel junges Weidegras erhält. Nimmt ein Pferd sehr viel zellgebundenes Wasser über das Grundfutter auf, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Wassergehalt in den Pferdeäpfeln auch erhöht ist. Es muss aber noch kein Durchfallgeschehen vorliegen.

Erst wenn der TS-Gehalt im Kot nur bei ca. 15% liegt, kann von einem Durchfallgeschehen ausgegangen werden, da jetzt sehr viel Wasser über den Kot ausgeschieden wird und der Wasserhaushalt im Darm nicht normal funktionieren kann.


Merkmal Pferde ohne Durchfall Pferde mit Durchfall
Trockensubstanz im Kot (%) Ø 20 – 30% < 20%
Wassergehalt im Kot (%) Ø 70 – 80% > 80%

Die Folgen des Durchfalls sind am Pferd häufig an den verschmutzten Oberschenkeln erkennbar. Pferde mit Durchfall können aber auch eine erhöhte Körpertemperatur (Fieber) aufweisen und verhalten sich häufig apathisch.

TIPP: Rektaltemperatur beim Pferd
adultes Pferd: 37,5 - 38,0° C
Fohlen: 37,5 - 38,5° C

Häufig treten Durchfallerkrankungen gleichzeitig auch mit Koliken auf. Bei chronischen Durchfällen magern die Pferde auf Grund der verminderten Nährstoffresorption regelrecht ab. Das Fell ist stumpf und aufgrund der hohen Wasserverluste über den Kot steigert sich das Durstgefühl. Bei starken Durchfallsymptomen ist immer der Tierarzt zu konsultieren, der im Bedarfsfall die entsprechenden Suchprogramme wie z.B. Serum-Protein (Hypoproteinämie), Hämatokrit, Blutgasanalyse, Xylose-Resorptionstest usw. veranlasst.
Ein akuter Durchfall tritt plötzlich auf und ist spätestens nach 1-2 Tagen wieder verschwunden. Hat das betroffene Pferd bereits länger als drei Tage Durchfallerscheinungen, dann kann es sich zu einem chronischen Verlauf entwickeln.

Was sind die möglichen Ursachen bzw. Auslöser für einen Durchfall beim Pferd?

Die Ursachen bzw. Auslöser für Durchfallerscheinungen sind umfangreich. Viele Faktoren, die sich teilweise auch gegenseitig beeinflussen, können einen Einfluss auf das Durchfallgeschehen haben. Häufig ist deshalb eine eindeutige Ursachenanalyse erschwert.

Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht kommt und die Schleimhaut des Verdauungstraktes geschädigt ist, kommt es häufig zu Durchfall. Eine nicht intakte Schleimhaut des Verdauungstraktes verursacht eine ungenügende Rückresorption von Wasser im Dickdarm und damit den Durchfall. Eine Schädigung der Schleimhaut kann durch viele Faktoren ausgelöst werden, die sich aufaddieren können. Neben der Reduzierung der Wasserresorption über die Schleimhaut kann auch die Flüssigkeitssekretion der Schleimhaut in den Darm erhöht sein. Eine veränderte Darmperistaltik oder eine Störung des enzymatischen Abbaus der Nahrungsbestandteile (Maldigestion) kann ebenfalls zu Durchfall führen.

In einer Übersicht sollen einige mögliche Ursachen bzw. Auslöser für Durchfall stichwortartig aufgelistet werden. Eine ausführliche Beschreibung einiger wichtiger Auslöser erfolgt im Anschluss.

Pferde sind sehr sensible Tiere, die auf Stress mit Verdauungsstörungen in Form von Durchfall reagieren können. Dies kann sozialer Stress in der Gruppe aber auch Stress sein, der z.B. durch Transport oder Stall- bzw. Besitzerwechsel ausgelöst wird. Aus der Praxis wird berichtet, dass einige Pferde sehr wetterfühlig sind und bei einem Wetterumschwung mit leichtem Durchfall reagieren können. Aus physiologischer Sicht wird in Stresssituationen die Magensaftsekretion negativ beeinflusst, so dass es zum Durchfall kommt.

● Physische Belastung starke körperliche Anstrengungen, Unterkühlung

Das mechanische Zerkleinern der Nahrung mit Hilfe der Zähne ist eine Art Vorverdauung um die Nahrungsinhaltsstoffe besser ausnutzen zu können. Bei Pferden mit Zahnproblemen kann nicht genügend gekaut werden, so dass dadurch auch Verdauungsprobleme in Form von Durchfall ausgelöst werden können. Dies betrifft gerade unsere älteren Pferde, die eine spezielle Seniorenration erhalten müssen. Dabei können Futtermittel wie z.B. Heucobs eingeweicht werden aber auch auf eine altersgerechte Mineralstoff- und Vitaminversorgung über ein spezielles Pferdemineral für Senioren ist zu achten.

Eine Verwurmung der Pferde kann ebenfalls einen Durchfall auslösen. Deshalb muss abgeklärt werden, wann die letzte Wurmkur stattgefunden hat. In Absprache mit dem Tierarzt kann eine Kotprobe gezielt analysiert werden (parasitologische Kotuntersuchung) und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

● Bakterien- und Vireninfektion z.B. Chlostridien, Salmonellen, Rotaviren

Ein Antibiotikaeinsatz kann zur Störung der Dickdarmflora (mikrobielle Dysbalance) führen und wird als sogenannte Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (AAD) bezeichnet. Dabei werden neben den „schädlichen“ Mikroben auch sogenannte „gute“ Darmbewohner geschädigt und es kann zu Durchfall kommen.


● 

Dies betrifft grundsätzlich jede plötzliche Umstellung einer Tagesration ob im Herbst oder Frühjahr oder nach einem Stallwechsel bzw. Wechsel des Futterlieferanten. Ein plötzlicher Futterwechsel überfordert die Darmflora, die sich nicht schnell genug umstellen kann. Deshalb sollten Futterumstellung immer zeitlich verzögert durchgeführt werden um den Darm nicht übermäßig zu belasten.

TIPP: 
Erfahrungsgemäß kann gerade das zu schnelle Anweiden im Frühjahr zu massiven Durchfallerscheinungen führen. Da das junge, zarte Weidegras für unsere Pferde und Ponys sehr schmackhaft ist, verschlingen die Pferde das Gras regelrecht in Nullkommanichts. Das oft angebrachte Argument, dass das spezielle, nährstoffreiche Weidegras für Kühe die Ursache hierfür wäre, kann heutzutage nicht mehr gelten. Jeder erfahre Pferdehalter kennt den Unterschied zwischen einer Kuh- und einer Pferdeweide und wird seine Pferde nur auf Pferdeweiden mit den speziellen Grassorten lassen. Das junge Weidegras hat nur einen geringen Trockensubstanzgehalt (TS-Gehalt) von ca. 15 % und einen geringen Rohfasergehalt. Folglich sind in einem 1 kg Weidegras ca. 850 kg Wasser enthalten. Da ein kg Wasser einem Liter Wasser entspricht sind, sind dies 850 ml Wasser in 1 kg Weidegras. Wenn das ausgewachsene Pferd die Möglichkeit hat nur ca. 30 kg Weidegras zu fressen, dann würde es rechnerisch täglich mehr als 25 l Wasser über das Weidegras aufnehmen. Da das Weidegras noch sehr jung ist und damit auch die Zellwände der Zellen im Weidegras sehr leicht und schnell anverdaut werden können, werden in Kombination mit einer schnellen Futteraufnahme und einer zügigen Verdauung plötzlich große Mengen Wasser im Verdauungstrakt freigesetzt, die dann einen Durchfall verursachen können. Sind dann nicht genügend weitere Rohfaserquellen (z.B. Stroh, Heu usw.) in der Ration enthalten, kann sich der Durchfall noch verstärken. Deshalb ist gerade beim Futterwechsel eine kontrollierte und auch disziplinierte Futterzuteilung immer wichtig!

● Zu kaltes Wasser zu schnell aufgenommen
● Spontane erhöhte Wasseraufnahme nach Abusus von reinen Salzlecksteinen

Selbstverständlich gehört jegliche Art von Fremdkörpern nicht in eine Pferderation. Fremdkörper können z.B. unkontrolliert auf der Pferdekoppel aufgenommen werden, wenn Besucher bzw. Passanten etwas verlieren oder unüberlegt wegwerfen. Diese Fremdkörper verursachen u.a. eine mechanische Darmreizung, schädigen damit die Darmschleimhaut und können so u.a. einen Durchfall auslösen.

● Unregelmäßige Fütterungszeiten

Alle Futtermittel, die wir täglich an unsere Pferde verfüttern, müssen von uns kontrolliert werden. Angeschimmelte oder matschige Karotten oder schimmelige Heulage gehören einfach in keine Pferderation. Diese verdorbenen Futtermittel besitzen einen erhöhten Gehalt an Schadkeimen, die eine Fehlgärung im Verdauungstrakt verursachen. Diese unerwünschte Verschiebung der Darmflora verursacht dann den Durchfall. Auch stark mit Erde oder Sand verdreckte Futtermittel sind nichts für Pferde. So können z.B. Futterrüben grundsätzlich gut an Pferde verfüttert werden, jedoch müssen diese vorher von Erdresten sorgfältig gereinigt worden sein. Angefrorene Futtermittel sind für Pferde tabu. Dies ist besonders auch bei überfrorenem Weidegras am frühen Morgen zu beachten.

● Verfüttern von frischem Brot oder Brötchen

Täglich nehmen die Pferde unterschiedliche Mengen an Fett über das Futter auf. Fette werden als Öl bezeichnet, wenn sie auf Grund ihrer Zusammensetzung bei Zimmertemperatur in flüssiger Form vorliegen. Der höchste Fetteintrag in eine Pferderation erfolgt über die tägliche Zufütterung von Pflanzenölen wie Sojaöl, Leinöl usw. Es kommt zum Durchfall, wenn plötzlich sehr viel Fett verfüttert wird und dieses Fett im Dünndarm angeflutet wird und die fettspaltenden Enzyme (Lipasen) überfordert sind. Wenn das Fett im Dünndarm nicht vollständig verdaut wird, gelangt es in den Dickdarm und hemmt dort die Aktivität von rohfaserverdauenden Mikroorganismen. Die Folge ist, dass die Rohfaserverdauung herabgesetzt wird. Bei Pferden mit Durchfallproblemen, die täglich eine Ölergänzung über das Futter erhalten, sollte diese Ölergänzung deshalb abgesetzt werden.

Das Mengenelement Magnesium hat grundsätzlich in der Ernährung der Pferde eine lebenswichtige Bedeutung. Eine bedarfsgerechte Magnesiumergänzung über ein Pferdemineral ist bei Pferden mit Durchfallanzeichen selbstverständlich angebracht. Die Gabe von speziellen Ergänzungsfuttermitteln mit einem erhöhten Magnesiumgehalt zur Unterstützung der Muskeln und Nerven sollte an Pferde mit Durchfallproblemen nicht mehr verfüttert werden. Es ist aus der Praxis bekannt, dass plötzliche sehr hohe Magnesiummengen das Durchfallgeschehen noch fördern können. Grundsätzlich sollte bei der Gestaltung der Tagesration für das Pferd immer vorbeugend gehandelt werden, wenn bereits mögliche Auslöser für einen Durchfall im Vorfeld bekannt sind. Bei Unsicherheiten kann der Futterberater die geplante Tagesration mit Hilfe einer speziellen Software immer berechnen und bewerten.

Aus der Praxis ist bekannt, dass frisch eingefahrenes Heu nicht sofort an die Pferde verfüttert werden darf. Frisches Heu muss erst weiter ablagern und abtrocknen. Das nicht abgelagerte Heu kann zu Fehlgärung im Verdauungstrakt führen und damit zu Durchfall. Ähnliches gilt für frisch geerntetes Getreide wie z.B. Hafer. Dieser Hafer muss erst eine gewisse Zeit lagern und abtrocknen, damit die enzymatischen Prozesse im Getreide noch beendet werden können.

Befinden sich z.B. auf oder am Rande einer Pferdekoppel eine Holzhütte oder Holzzäune, deren Holz mit Holschutzmittel behandelt worden ist, dann können die Pferde an diesem Holz knabbern und sich mit Holzschutzmitteln vergiften und Durchfallsymptome zeigen. Diese Pferde hatten mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Mangel an Rohfasern, sondern waren häufig nur gelangweilt.

● Aufnahme von Giftpflanzen wie z.B. Akazienzweigen

Fütterungsfehler sind leider Bestandteil eines fehlerhaften Fütterungsmanagements. Gerade diese Fehlerquellen können und müssen wir Pferdehalter zum Wohle unserer Pferde positiv beeinflussen um einen Durchfall vorzubeugen.

Was hilft bei Pferden gegen Durchfall und welche allgemeine Management-Maßnahmen müssen beachtet werden?

Die Notfallbehandlung der Symptomatik Durchfall kann nur durch den Tierarzt erfolgen. Die eingeleiteten Maßnahmen richten sich immer nach der jeweiligen Ursache. Als Therapieziele gelten dabei:
 1. Regulierung der Flüssigkeitsresorption
 2. Normalisierung der Darmmotilität
 3. Hemmung von möglichen Entzündungen
Als Sofortmaßnahme muss ein Ausgleich der Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste (Rehydratation) erfolgen. Grundsätzlich sollte man das Pferd niemals daran hindern, Wasser aufzunehmen. Elektrolytverluste können auch über den Einsatz von speziellen Ergänzungsfuttermittel wie das SALVANA Nutrilyt erfolgen. Wenn jedoch schnell gehandelt werden muss, wird der Tierarzt intravenös Elektrolyte und Flüssigkeit ersetzen.
Ein diätetisches Fütterungsmanagement kann immer nur eine unterstützende Funktion besitzen und sollte immer in Absprache mit ihrem Fütterungsberater oder dem Tierarzt erfolgen.

Diätetisches Fütterungsmanagement

Ein optimales Fütterungsmanagement beginnt immer mit einer regelmäßigen Kontrolle der verfütterten Futtermittel bezüglich Quantität und Qualität. Grundsätzlich sollten nur qualitativ hochwertige Futtermittel zum Einsatz kommen. Dies betrifft sowohl die Grundfuttermittel als auch die Ergänzungsfuttermittel.

Mineralische Ergänzung der Tagesration

Eine mineralische Ergänzung über ein Pferdemineral muss täglich erfolgen. Gerade bei durch Durchfall geschwächten Pferden muss eine Stärkung des Immunsystems mit Hilfe einer Zulage an Spurenelementen und Vitaminen sichergestellt werden. Die physiologische Bedeutung von Vitamin A besteht u.a. im Schutz und Regeneration der Schleimhaut. Vitamin A wird deshalb auch als Epithelschutzvitamin bezeichnet. Mit einer täglichen Mineralfuttergabe kann die Darmschleimhaut unterstützt werden.
Eine Tagesration für ein Pferd, das Durchfallerscheinungen zeigt, sollte so gestaltet werden, dass alle möglichen Ursachen für dieses Durchfallgeschehen umgehend abgestellt werden. Das betroffene Pferd muss weiterhin Zugang zu frischem, hygienisch einwandfreiem Wasser haben. Wenn diätetische Fütterungsmaßnahmen eingeleitet werden, bedeutet es nicht, dass das Pferd eine Diät macht um abzunehmen. Das Pferd wird nach dem individuellen Leistungsbedarf energetisch versorgt. In der Regel ist dies der Erhaltungsstoffwechsel, gerade wenn der Durchfall verstärkt auftritt. Das betroffene Pferd erhält eine regelrechte „Schonkost“ um den Darm zu entlasten. Rückfragen bei ihrem persönlichen Futterberater sind immer zu empfehlen, da man einen Durchfall niemals auf die leichte Schulter nehmen sollte. Bei starken Durchfallerscheinungen ist immer der Tierarzt zu konsultieren.
Ein diätethisches Fütterungsmanagement kann auch bestimmte Futtermittel beinhalten, die sich positiv auf das Durchfallgeschehen auswirken. Diese Substanzen bzw. Zusatzstoffe müssen futtermittelrechtlich in der EU für die Pferdefütterung zugelassen sein und sind in der Regel Bestandteil von speziellen Ergänzungsfuttermittel für Pferde um eine Überdosierung zu verhindern.

TIPP: Übersicht von möglichen Bestandteilen in speziellen Ergänzungsfuttermitteln bei leichtem Durchfallgeschehen 
➔ Tannine
➔ Huminsäure
➔ Pektine
➔ Flohsamenschalen
➔ Aktivkohle
➔ Tonminerale
➔ Probiotika (Lebendhefe)


Einsatz von Adstringentien

Adstringentien sind Stoffe, die über das Futter im Verdauungstrakt auf die Schleimhäute eine oberflächliche Proteinfällung bewirken und damit die Schleimhäute regelrecht abdichten. Die Schleimhaut kann sich dann von innen her erneuern. Leider wird auch das Futterprotein denaturiert, so dass mit einer verringerten Proteinverdaulichkeit des Futterproteins zu rechnen ist. Auch die Proteinstrukturen von bestimmten Schadkeimen werden angegriffen und damit außer Gefecht gesetzt. Dies ist mit dem Effekt zu vergleichen, der bei der Gerbung ausgenutzt wird und deshalb werden diese Stoffe auch unter der Gruppe der Gerbstoffe zusammengefasst.
In der Fütterungspraxis kommen deshalb bei leichten Durchfällen Stoffe aus der großen Gruppe der Tannine zum Einsatz. Diese Tannine dürfen nicht unkontrolliert vom Pferdehalter zu gefüttert werden, sondern immer nur über ein spezielles Ergänzungsfuttermittel für Pferde, das innerhalb einer Kur zeitlich begrenzt mit definierter Konzentration verfüttert wird.
Eine adstringierende Wirkung wird auch beim Einsatz von sogenannten Huminsäuren im Pferdefutter beschrieben.

Einsatz von Adsorbentien

Adsorbentien sind Stoffe, die eine starke stoffbindende Wirkung im Verdauungstrakt des Pferdes entfalten. Die Bindung von freiem Wasser im Darmlumen, bewirkt eine Wiederformung des Pferdekotes (Kotkonsistenz). Eigentlich handelt es sich nur um „Wasserkosmetik“, da die verlorene Gesamtmenge an Flüssigkeit, die ausgeschieden wird, nicht wesentlich verringert wird. Auf der anderen Seite ist der positive Effekt an den wiedergeformten Pferdeäpfeln und dem Wohlbefinden der Pferde deutlich zu erkennen.
Zu dieser Stoffgruppe gehören z.B. Stoffe, die in der Lage sind so genannte Hydrokolloide zu bilden. Ein bekanntes Beispiel ist die Gruppe der Pektine, die das freie Wasser im Darm binden und regelrecht einbauen können. Bei den Pektinen handelt es sich um Polygalacturonsäuren, die eine große Gruppe von verschiedenen Pektinen umfasst. Folglich sind Pektine nicht gleich Pektine und gelieren unter unterschiedlichen Bedingungen. Pektine sind z.B. in Rübenschnitzeln enthalten und erklären, warum trockene Rübenschnitzel dieses starke Quellverhalten zeigen und vor dem Verfüttern immer eingeweicht werden müssen. Wie aus der Pferdepraxis bekannt ist, kann es bei einer unkontrollierten Verfütterung zur Schlundverstopfung kommen. Reines Pektin kann großtechnisch aus Zitrusfrüchten oder auch aus Apfelschalen gewonnen werden und wird ausschließlich in speziellen Ergänzungsfuttermittel verwendet um eine Fehldosierung zu vermeiden. Eine separate Zufütterung von reinem Pektin ist für das Pferd zu gefährlich und sollte unterlassen werden.
Ein weiteres sehr wirksames Pflanzenhydrokolloid stammt aus den Schalen von Flohsamen (Plantago ovatae). Diese Psyllium husk werden z.B. auch bei Sandkoliken mit Erfolg eingesetzt und binden das überschüssige Wasser im Pferdedarm. Der Vorteil ist im Gegensatz zu den Pektinen, dass bei einer erhöhten Dosierung die Gefahr einer Verstopfung reduziert ist.

Einsatz von Probiotika

Ein Probiotikum ist ein lebendiger Mikroorganismus, der eine positive Wirkung auf die Verdauung haben muss. Diese positive Wirkung kann u.a. darin bestehen, dass die zellulosespaltenden Mikroorganismen im Dickdarm gefördert werden und die Symptome eines Durchfalls gelindert werden. Selbstverständlich kann man mit dem Einsatz von Lebendhefen einen Durchfall nicht „wegfüttern“, jedoch die Symptome lindern.
Da es sich um Organismen handelt, die voll lebensfähig sind, muss eine rechtliche Zulassung für den Einsatz in der Pferdefütterung vorliegen. Die einzigen Probiotika, die in der EU an Pferde verfüttert werden dürfen, sind die sogenannten „Lebendhefen“ Saccaromyces cerevisiae. Werden Lebendhefen an Pferde verfüttert, dann muss ein gesetzlicher Mindestgehalt an Lebendhefen eingehalten werden, damit eine positive Wirkung am Pferd erkennbar ist. Lebendhefen dürfen nicht vom Pferdehalter pur verfüttert werden. Um eine exakte Dosierung zu garantieren, hat der Gesetzgeber vorgeschrieben, dass die Lebendhefen nur über ein Ergänzungsfuttermittel an unsere Pferde verfüttert werden dürfen. Solch ein Ergänzungsfuttermitteln ist das SALVANA Hefenol, das 1.000 Milliarden „Kolonie bildende Einheiten“ (KBE) je kg besitzt. Mit der Einheit KBE wird die Konzentration der Lebendhefen angegeben, so dass ein objektiver Vergleich mit der Lebendhefekonzentration anderer Präparate möglich ist. In der Behandlung von Durchfallerscheinungen beim Menschen werden ebenfalls Lebendhefen (Saccharomyces cerevisiae) eingesetzt.
Fachlich sind die Lebendhefen eindeutig von der sogenannten Bierhefe zu trennen, da es sich bei der Bierhefe um abgetötete Hefezellen handelt, die nicht mehr lebensfähig sind.

Einsatz von Hausmitteln

Hausmittel können die Heilung eines Durchfallgeschehens sicherlich unterstützen. Die Behandlung muss jedoch immer mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden. Vorher muss jedoch definiert werden, was der Praktiker unter dem Begriff Hausmittel versteht. So kann sich eine gut gemeinte Darmsanierung bei Durchfallpatienten mit Sauermilchprodukten auch negativ auswirken.

TIPP: Frischer Joghurt oder Kefir für den Durchfallpatienten?
Als ein Hausmittel wird teilweise Joghurt/Kefir aus dem Lebensmittelhandel an Durchfallpatienten verfüttert. Vermutlich soll damit eine erhöhte Konzentration von Milchsäurebakterien (Laktobazillen) an die betroffenen Pferde verfüttert werden. Diese Milchsäurebakterien erreichen über das Futter in lebensfähiger Form den Darm des Pferdes und sollen dort probiotisch wirksam sein. Fraglich ist, ob diese Milchsäurebakterien wirklich eine positive Wirkung beim Pferd erzielen können oder sogar den Durchfall verstärken? Dieser positive Wirkungsmechanismus ist bei Menschen und Schweinen bekannt, jedoch nicht beim Pferd nachgewiesen. In der Fütterung von Schweinen sind probiotischwirksame Milchsäurebakterien futtermittelrechtlich in der EU zugelassen. Für diese Zulassung musste in zahlreichen Fütterungsversuchen eine positive Wirkung der Milchsäurebakterien bei Schweinen nachgewiesen werden. In der Pferdeernährung dürfen aktuell per Gesetz in der EU keine Milchsäurebakterien im Pferdefutter eingesetzt werden. Deshalb ist vom Einsatz von Joghurt/Kefir als Hausmittel eher abzuraten, solange eine positive Wirkung nicht nachgewiesen ist.


Fohlendurchfall

Durchfall ist in der Fohlenaufzucht ein ernstzunehmendes Thema und kann bei einem schweren Verlauf zum Tode des Saugfohlens führen. Neben den bereits beschriebenen möglichen Durchfallursachen gibt es noch einige besondere ernährungsbedingte Ursachen in der Fohlenaufzucht.
Wenn die Stuten erstmalig nach der Geburt rossig werden, dann bekommen die Saugfohlen bei Fuß häufig Durchfall. Dies findet meistens zwischen dem 10. und 15. Tag nach der Geburt statt. Treten keine weiteren Probleme wie z.B. Fieber bei den betroffenen Saugfohlen auf und verhalten sich die Saugfohlen unauffällig, dann müssen in der Regel keine weiteren Maßnahmen eingeleitet werden.
Auch bei der mutterlosen Aufzucht der Fohlen mit einem Milchaustauscher wie der SALVANA Fohlenmilch kann dieser Durchfall zum gleichen Zeitpunkt auftreten. Folglich ist die Bezeichnung Fohlenrossedurchfall nicht geeignet, da kein Zusammenhang mit der Stutenrosse besteht. Die Ursache besteht vermutlich in der beginnenden Umstellung des Verdauungstraktes von flüssige auf feste Nahrungsbestandteile. Von Wissenschaftlern wird vermutet, dass der Fohlenrossedurchfall durch eine Hypersekretion im Dünndarm ausgelöst wird und der noch unreife Dickdarm mit der Kompensation durch Steigerung der Wasser- und Elektrolytadsorption überfordert ist.
Haben die Saugfohlen die Möglichkeit an den Salzleckstein der Mutterstute zu gelangen, dann nehmen sie teilweise erhöhte Menge an Natriumchlorid auf. Die Fohlen haben grundsätzlich keinen erhöhten Bedarf an Natrium, sondern nehmen das Salz vermutlich eher spielerisch und aus Langeweile auf. Eine erhöhte Salzaufnahme führt automatisch zu einem gesteigerten Durstgefühl, so dass die Fohlen automatisch erhöhte Wassermengen aufnehmen und es kommt zum Durchfall.
Bei der Aufnahme von älterem Stutenkot ist ebenfalls die Durchfallwahrscheinlichkeit erhöht, während das Fressen von kleineren Mengen frischen Stutenkots eher der Besiedlung des Fohlendarms mit einer positiven Darmflora nützlich ist.

Behandlung des Fohlendurchfalls

Bei einer Infektionserkrankung muss immer der Tierarzt kontaktiert werden. Dabei können die Wasserverluste so hoch sein, dass das Fohlen regelrecht austrocknen kann. Neben der Ergänzung der Flüssigkeit wird durch spezielle Elektrolytgaben auch der Mineralstoffhaushalt (Natrium, Kalium usw.) wieder aufgefüllt.
Bei der mutterlosen Aufzucht der Fohlen mit Hilfe eines Milchaustauschers ist die genaue Einsatzempfehlung des Herstellers zu beachten, damit es nicht zu einer übermäßigen Milchaufnahme und Durchfallerscheinungen kommen kann. Bei jungen Fohlen muss die Milch stets frisch angerührt und in häufigen Mahlzeiten vertränkt werden um eine sichere Aufzucht zu gewährleisten.

Klein Offenseth-Sparrieshoop, den 28.01.2021 Dr. Ernst Stephan

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