Wenn es dem Pferd auf den Magen schlägt...

Symptome und Ursachen von Magengeschwüren bei Pferden - Teil 2

Häufig stellt sich in der Praxis die Frage, wie man frühzeitig erkennen kann, ob das eigene Pferde vielleicht von Magengeschwüren betroffen ist. Dann könnten bereits rechtzeitig entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden um dem Pferd Leid zu ersparen. Die Symptomatik ist jedoch nicht immer eindeutig, dennoch können einige Anzeichen aufgeführt werden. Auffällig ist, dass einige Pferde mit Magengeschwüren sogar überhaupt keine Symptome zeigen.

Symptome bei Magengeschwüren beim Pferd

Anzeichen für das mögliche Vorhandensein von Magenläsionen bzw. Magengeschwüren bei Pferden:

  • Starker Leistungseinbruch und Gewichtsverluste
  • Allgemein schlechte Körperkondition
  • Wechselnder Appetit bis hin zur Appetitlosigkeit (Inappetenz)
  • Schmerzen z.B. beim Anziehen des Gurtes (Gurtzwang)
  • Verhaltensänderungen (u.a. als Schmerzäußerung) z.B. Nervosität, Schreckhaftigkeit, Aggressivität, Zungenspielen, Zähneknirschen (Bruxismus), Flehmen, Leerkauen, vermehrtes Liegen
  • In Abständen wiederkehrende Koliken
  • Kotwasser

Teaser: Kotwasser

Die Bezeichnung Kotwasser wird verwendet, wenn die Pferde ganz normal geformte Pferdeäpfel absetzen und unabhängig vom Kotabsetzen anschließend freies Wasser im Strahl abgeben. In einer aktuellen Untersuchung konnte aufgezeigt werden, dass Pferde, die eine Kotwasserproblematik zeigten, einem erhöhten Risiko unterliegen an Läsionen und Geschwüre der Magenschleimhaut (EGUS) erkrankt zu sein. Das Thema Kotwasser stellt in der Pferdepraxis ein vermehrtes Problem dar.

Dabei handelt es sich um unspezifische Symptome, die bei vielen anderen Erkrankungen auch auftreten können. Der Pferdehalter bemerkt deshalb oft gar nicht, dass sein Pferd Probleme mit der Magenschleimhaut hat.
Grundsätzlich muss immer der Tierarzt konsultiert werden, wenn der Verdacht auf Magengeschwüre besteht. Eine eindeutige Diagnose kann nur der Tierarzt mit Hilfe einer Magenspiegelung (Gastroskopie) stellen. Dabei wird die kutane Schleimhaut und die Drüsenschleimhaut des Pferdemagens untersucht. Der Einsatz von labordiagnostischen Untersuchungen gestaltet sich aktuell schwierig.

Labordiagnose von Magengeschwüren bei Pferden

In einer US-amerikanischen Untersuchung ist die Saccharosekonzentration im Pferdeurin für die Diagnose von Magengeschwüren in der kutanen Schleimhaut verwendet worden. Pferde mit Magengeschwüren hatten eine signifikant erhöhte Saccharosekonzentration im Urin. Als Ergebnis der Untersuchung ist der Urin-Test als zuverlässig, jedoch als „nicht perfekt“ bezeichnet worden, so dass eine Verwendung zur Diagnose eingeschränkt ist.

Was sind die Ursachen von Magengeschwüren bei Pferden

Die Entstehung der kutanen Magenläsionen bzw. Magengeschwüre (ESGD) ist multifaktoriell begründet. Dies bedeutet, dass nicht eine einzelne Ursache ausgemacht werden kann, sondern zahlreiche Faktoren, die sich auch wechselseitig beeinflussen, daran beteiligt sind.
Ergebnis aller Fehlentwicklungen ist immer eine Säureschädigung der Magenschleimhautzellen (Mucosazellen).

Die schädigende Säure kann sich zusammensetzen aus:

  • Salzsäure
  • Milchsäure
  • flüchtigen Fettsäuren (z.B. Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure)
  • Gallensäuren 

Wie bereits in unserem Magenartikel Teil 1 beschrieben, wird die Salzsäure vom Pferdemagen produziert, während Gallensäuren aus dem Dünndarm (Duodenum) wieder in den Magen zurückgeflossen sein können (Reflux).

Die flüchtigen Fettsäuren können direkt im Magen bei der bakteriellen Fermentation von stärkehaltigem Futter entstehen bzw. über Heulage aufgenommen werden. 

Eigentlich könnten in der glandulären Magenschleimhaut keine Läsionen bzw. Geschwüre bedingt durch eine Säureschädigung auftreten (EGGD). Wie bereits beschrieben ist die Schleimhaut im drüsenhaltigen Teil des Magens immer in der Lage, einem Säuregehalt, sprich niedrigem pH-Wert, ausgesetzt zu sein.

Die Risikofaktoren für Magengeschwüre bei Pferden sind vielfältig und sollen exemplarisch in einer Übersicht dargestellt werden.

Einige Risikofaktoren für das Auftreten von Magenläsionen und Magengeschwüre:
  • Schmerzmittel: nich-steroidale Schmerzmittel (NSAID´s)
  • Rasse: Warmblut- und Kaltblutpferde
  • Haltung: Stall- und Weidehaltung
  • Nutzung: starke körperliche Belastung (Arbeit), Start bei Wettkämpfen
  • Stress: Transport, Stallwechsel, Fohlenabsetzen
  • Fütterungsmanagement/Rationsgestaltung:
    • Dauer der Futteraufnahme, Nüchterungszeiten (längere Fastenperioden) > 6 h
    • zu geringe Aufnahme strukturierten Raufutters: < 1% des Körpergewichtes
    • zu viel „saures“ Futter: z.B. erhöhte Heulagemengen
    • zu hoher natürlicher Besatz des Futters mit Milchsäurebakterien
    • zu wenig Weidegang
    • zu hohe tägliche Stärkeaufnahme pro Mahlzeit: > 1 g Stärke/kg Körpergewicht je Mahlzeit
    • Futter mit scharfkantiger Struktur (mechanische Irritation) z.B. Luzernehäcksel
    • Tränkeregime: fehlender kontinuierlicher Zugang zum Wasser


Schmerzmittel

Aus der Praxis wird berichtet, dass die Verabreichung von Schmerzmitteln das Risiko für das Auftreten von Magengeschwüren erhöhen kann.


Pferderasse
Bei Kaltblütern ist die Wahrscheinlichkeit geringer an Magengeschwüren zu erkranken als bei Vollblütern bzw. Trabern. Dies kann sicherlich von anderen Effekten wie der Auslastung der Pferde überlagert bzw. verstärkt werden. Gerade im aktiven Sport werden Vollblüter bzw. Traber und auch andere Pferderassen betroffen sein. Ponys scheinen nicht so stark von Magengeschwüren betroffen zu sein. Auch bei Wildpferden sind Schädigung der Magenschleimhaut festgestellt worden.

In anderen Untersuchungen konnte jedoch keine Prädisposition bestimmter Pferderassen für das Auftreten für Läsionen der Magenschleimhaut ermittelt werden.


Haltung der Pferde
Als möglicher Auslöser für Magenläsionen wird in einigen Untersuchungen die Stallhaltung genannt, während die Weidehaltung der Pferde positiv bewertet wird, da eine kontinuierliche Futteraufnahme gewährleistet werden kann.

Reine Stallhaltung ist mit hoher Sicherheit ein Risikofaktor, wenn der Kontakt zu anderen Pferden nicht sichergestellt werden kann. Mangelnder Kontakt zu Artgenossen verursacht Stress, der das Auftreten von Magengeschwüren fördern kann. Bei einer ganzjährigen Offenstallhaltung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Auftreten von Magenläsionen eher reduziert.

Bei Pferden mit Weidegang konnte grundsätzlich eine geringere Häufigkeit von Magengeschwüren festgestellt werden als bei Pferden mit Boxenhaltung. Dabei ist immer zu beachten, dass andere Effekte zusätzlich mit hineinspielen können. Es wird davon ausgegangen, dass das Grasen eine kontinuierliche Futteraufnahme darstellt und Speichelbildung und -fluss nicht unterbrochen werden und somit die Magensäure abgepuffert werden kann.

Der Einsatz eines Heunetzes simuliert die Futteraufnahme auf der Weide und fördert ebenfalls den kontinuierlichen Speichelfluss.


Arbeitsbelastung der Pferde
Während bestimmter Bewegungsmuster der Pferde (z.B. schnelle Gangarten) kann unter Belastung der intraabdominale Druck den Mageninhalt direkt an die kutane Magenschleimhaut verlagern. Dabei gelangt vermehrt Magensäure an die kutane Mukosa und kann diese schädigen. Bei sportlich aktiven Menschen führt der intraabdominale Druck zu einem Reflux und Sodbrennen tritt auf.

Auch ein sehr häufiges Training (Trainingsintensität) der Pferde (ca. 5- bis 6-mal pro Woche) erhöht das Risiko für Magenschleimhautschädigung. Es wird vermutet, dass durch das häufige Training die Durchblutung an der glandulären Mukosa reduziert und damit ein physiologischer Stress entsteht.


Stressbelastung der Pferde
Stress ist nicht nur für den Menschen, sondern auch für Pferde nicht gesund. Zahlreiche Stressfaktoren stellen potentielle Risikofaktoren dar. Teilweise erfolgen übertriebene Stressantworten auf ganz normale Reize, die dann zu glandulären Magenläsionen führen können.

Übersicht der möglichen Stressfaktoren:

  • Fehlender sozialer Kontakt, sozialer Stress
  • Transport
  • Turnierteilnahme bzw. Rennen
  • Klinikaufenthalt/Operationen/medizinische Untersuchungen
  • Stallwechsel
  • Anzahl der Reiter bzw. Betreuer je Pferd, häufiger Reiter- bzw. Betreuerwechsel


Fütterungsmanagement/Rationsgestaltung


Dauer der Futteraufnahme

Unter tierartgerechten Bedingungen nimmt das Pferd und damit sein Magen, täglich insgesamt ca. 14 bis 16 Stunden am Tag Futter auf. Pausen zwischen der Futteraufnahme betragen maximal 2 Stunden, so dass eine kontinuierliche Futteraufnahme immer gewährleistet wird. Der Magen wird nie ganz leer und die Magenentleerung erfolgt gleichmäßig. Dies wird erreicht, wenn Pferde z.B. mit Heu ad libitum (zur freien Verfügung) gefüttert werden. Bei Ponys ist in der Praxis die „Heu ad libitum Fütterung“ sicherlich etwas einzuschränken, da Ponys erfahrungsgemäß einen großen Appetit besitzen und es dann zu anderen Problemen kommen kann.

Eine Fehlfunktion der Magenentleerung wird in Verbindung von Magenläsionen beschrieben. Grundsätzlich sind längere Fastenzeiten bei Pferden inakzeptabel und können nachweislich zu Schädigungen der Magenschleimhaut führen.


Aufnahme von strukturiertem Raufutter

Die tägliche Fütterung von strukturierten Raufutter wie z.B. spätgeschnittenes Heu, verbunden mit einem entsprechend hohen Rohfasergehalt, bildet die Grundlage für eine pferdegerechte und damit magenschonende Fütterung.

tägliche Raufuttermengen für ausgewachsene Pferde:
unzerkleinerte Rohfaser: > 18% Rohfaser/TS in der Gesamtration
bzw.   Raufutter (z.B. Heu): > 1,5 kg je 100 kg Körpergewicht

In Jahren, in denen witterungsbedingt z.B. Heu eher knapp ist, darf auf keinen Fall die tägliche Raufuttermenge unterschritten werden. Ein Ausgleich durch einen erhöhten Einsatz von Futterstroh muss dann mit Hilfe einer Rationsberechnung berechnet werden. Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Einsatz von Futterstroh als alleiniges Raufutter in der Tagesration die Wahrscheinlichkeit von Schädigungen der Magenschleimhaut sogar erhöhen kann. Folglich ist in der Pferdefütterung Rohfaser nicht gleich Rohfaser!


Aufnahme von Heulagen
Silage ist auch nicht gleich Silage. Um einen Vergleich zwischen verschiedenen Silagen durchführen zu können, ist es zuerst wichtig, den Trockensubstanzgehalt der Silagen zu kennen.

Einteilung von Silagen nach dem Trockensubstanzgehalt (TS-Gehalt) in Prozent:

TS-Gehalt (%)

Bezeichnung

Anteil Gärsäuren in der Trocken-masse (%)

32 - 55

Anwelksilage

ca. 6,0 bis 8,0%

55 - 75

Heulage

 

75 - 85

Feuchtheu/Gärheu

 

>85

Heu

 


Sogenannte Anwelksilagen besitzen den niedrigsten Trockensubstanzgehalt und sind folglich schon beim Anfassen wesentlich nasser als z.B. Heulagen. Diese Anwelksilagen werden in der Milchviehfütterung eingesetzt und sollten nicht an Pferde verfüttert werden. Der Grund hierfür ist der im Vergleich zu Heu höheren Gehalte an Gärsäuren. Diese Gärsäuren entstehen während der Silierung aus den im Gras enthaltenen Kohlenhydraten und senken den pH-Wert der Silage ab um die Konservierung einzuleiten.

Teaser: Gärsäuren


     Zu der Gruppe der Gärsäuren gehören die „Milchsäure“ (Hydroxycarbonsäure) und die sogenannten „kurzkettigen Fettsäuren“ (Carbonsäuren). Kurzkettige Fettsäuren sind, wie der Name bereits sagt, gesättigte Fettsäuren, die nur 2 bis 6 C-Atome (Kohlenstoffatome) und damit nur eine kurze Kettenlänge besitzen. Im englischen werden sie auch als short chain fatty acids (SCFA) bezeichnet. In der Literatur werden kurzkettige Fettsäuren, die bei Raumtemperatur flüchtig sind, auch als sogenannte „flüchtige“ Fettsäuren bezeichnet (engl. volatile fatty acid = VFA). 

Die bekanntesten kurzkettigen Fettsäuren sind:

Bezeichnung

Salzbezeichnung

Kurzschreibweise

Essigsäure

Acetat

C2:0

Propionsäure

Propionat

C3:0

Buttersäure

Butyrat

C4:0

Capronsäure

Capronat

C6:0


Da es sich bei der Grassilierung überwiegend um eine Milchsäuregärung handelt, besteht der überwiegende Anteil der Gärsäuren aus Milchsäure, die den pH-Wert in der Silage bestimmt. Aus der Literatur wird berichtet, dass Analysen von Heulagen von pferdehaltenden Betrieben extreme Gehalte an Buttersäure (0 bis 0,86% in der TM), Essigsäure (0 bis 1,62% in der TM) und Milchsäure (0,01 bis 5,07% in der TM) enthalten können. Im Vergleich zu den Anwelksilagen besitzen Heulagen für Pferde grundsätzlich einen geringen Gehalt an Gärsäuren auf Grund der geringeren Gärintensität der Heulagen.
Zu den kurzkettigen Fettsäuren gehören verschiedene Fettsäuren, die bei der Beschreibung der Gärqualität von Silagen eine große Bedeutung besitzen. In der Produktion von Anwelksilagen für Milchkühe werden Orientierungswerte festgelegt, die nicht überschritten werden sollten. Für die Heulagegewinnung für Pferde liegen ebenfalls solche konkreten Orientierungswerte vor, die in der Praxis jedoch noch nicht so bekannt sind.


Orientierungswerte für eine optimale Anwelksilage/Heulage:

Bezeichnung

Gehalte in der Trockensubstanz (%)

Anwelksilage

Heulage

Buttersäure

< 0,3 %

0,0 %

Essigsäure- und Propionsäure

< 3,0 %

< 1,0%

 

Silagen mit einem hohen Anteil dieser Gärsäuren sollten, wenn möglich nicht an magenempfindliche Pferde verfüttert werden, da es durch den Säureeintrag in den Magen zu Schädigungen der kutanen Magenschleimhaut kommen könnte. Heu ist hier die Alternative.

 

Natürlicher Besatz des Pferdefutters mit Milchsäurebakterien

Der natürliche Besatz der Futtermittel mit Milchsäurebakterien kann zu hoch sein, so dass zu viele Milchsäurebakterien in den Magen gelangen und dort aus den Kohlenhydraten Milchsäure bilden.

Grundfuttermittel besitzen einen natürlichen Gehalt an Milchsäurebakterien, da die Milchsäurebakterien ubiquitär vorhanden sind. Dies wird z.B. bei der Silageherstellung gezielt ausgenutzt, da die am Gras anhaftenden Milchsäurebakterien den Silierungsprozess durch Bildung von Milchsäure einleiten und die dauerhafte Konservierung des Grases in Form von z.B. Heulage bewirken.

Weiterhin kann der Pferdehalter zusätzliche Milchsäurebakterien mehr oder weniger unwissend an sein Pferd geben, indem er z.B. frischen Joghurt/Kefir aus dem Lebensmittelhandel verfüttert. Dies ist vielleicht gut gemeint gewesen, um den Magen-Darm-Trakt des Pferdes probiotisch zu unterstützen. Das Gegenteil kann jedoch eintreten, da die Milchsäurebakterien bereits im Magen Kohlenhydrate aus dem Futter in Milchsäure verstoffwechseln und den Magen pH-Wert damit weiter absenken.

Dies ist auch der Grund, warum in der Pferdeernährung aktuell per Gesetz in der EU Zusatzstoffe aus Milchsäurebakterien als Probiotika im Pferdefutter nicht eingemischt werden dürfen.

Bei Pferden mit Magenproblemen sollte man das Verfüttern von frischem Joghurt/Kefir als weiteren Risikofaktor eher unterlassen.

 

Histamineintrag

Weiterhin sind in Heulagen sogenannte „biogene Amine“ enthalten. Zu den biogenen Aminen zählt auch das Histamin.

Histamin fördert die Salzsäureproduktion im Pferdemagen. Folglich ist bei einem erhöhten Eintrag von exogenem Histamin über Heulagen nicht auszuschließen, dass ein zusätzlicher Risikofaktor für das Auftreten Magenläsionen entstehen kann.


Teaser: Gärsäuren

Als exogenes Histamin bezeichnet man Histamin, das ausschließlich über die Nahrung aufgenommen wurde. Gerade in länger herangereiften Nahrungsmitteln sind höhere Mengen exogenes Histamin analysiert worden, das eine wichtige Rolle bei der Histamin-Intoleranz (Histamin-Abbaustörung) spielt. Überraschend hohe exogene Histaminmengen sind z.B. in langgereiften Weinen bzw. Käsesorten enthalten. Auch in Sauerkraut, das durch mikrobielle Fermentation (Milchsäuregärung) aus Weißkohl entsteht, sind erhöhte exogene Histamingehalte analysiert worden.
Wie bei der Sauerkrautherstellung findet auch bei der Silageherstellung für Pferde eine Milchsäuregärung statt. Während des Silierungsprozesses wird das Protein aus dem Gras bis hin zu den einzelnen Aminosäuren abgebaut. Unter ungünstigen Silierungsbedingungen können diese Aminosäuren (z.B. Histidin, Lysin usw.) dann mikrobiell weiter zu den biogenen Aminen (Histamin, Cadaverin usw.) umgebaut werden. Dadurch kann die Silagequalität massiv beeinträchtigt werden (z.B. unangenehmer Fäulnisgeruch) und in höheren Konzentrationen sogar toxisch sein.
Als Grenzwert für Silagen wird in der Literatur ein Gehalt von 5 g/kg in der Trockensubstanz genannt. Dabei handelt es sich bei diesem Grenzwert um die Summe aller biogener Amine (Histamin, Cadaverin usw.).

Stärkegehalt im Kraftfutter für Pferde Die über das Ergänzungsfutter aufgenommene Gesamtstärkemenge stellt ebenfalls einen Risikofaktor für das Auftreten von Magengeschwüren dar. Dabei sind der prozentuale Stärkegehalt des Futters und die Menge des verfütterten Futters je Mahlzeit in die Berechnung einzubeziehen. Enthält z.B. ein Pellet im Extremfall 50% Stärke und wird pro Mahlzeit 1,2 kg von diesem Pellet verfüttert, dann erhält das Pferd rechnerisch 600 g Stärke pro Mahlzeit. Bei einem Gewicht von 600 kg sind dies rechnerisch 1 g Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit. Dies kann bereits ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Magenschleimhautschädigungen bedeuten.

Maximale Stärkeaufnahme:
• 1 g Stärke je kg Körpergewicht und Mahlzeit bzw.
• 2 g Stärke je kg Körpergewicht und Tag


Die vermehrt im Magen anflutende Stärke kann dann durch Bakterien zu organischen Säuren fermentiert werden. Diese flüchtigen Fettsäuren werden von den Mukosazellen absorbiert und führen vor Ort zu einer Zellschwellung mit entsprechenden Läsionen der Magenschleimhaut.

Teaser: Stärke im Magen der Pferde


Stärke ist das Hauptreservekohlenhydrat von Getreidekörnern. Je nach Getreideart (z.B. Hafer, Mais oder Gerste) sind zwischen 40 bis 65% Stärke enthalten. Die Stärke besteht aus zahlreichen Glukoseeinheiten, die unterschiedlich miteinander verbunden sind. Nicht nur die Quantität ist zwischen den Getreidearten unterschiedlich, sondern auch die Qualität. Stärke aus Hafer ist z.B. anders aufgebaut als die Stärke aus Gerste. Stärke ist folglich nicht gleich Stärke!

Grundsätzlich wird die Stärke im Futter mit Hilfe des Enzyms Amylase abgebaut. Abbauen bedeutet, dass die Glukoseketten in verschiedene Glucose-Einheiten regelrecht gespalten und letztendlich von der Schleimhaut als Monosaccharide (Einfachzucker) absorbiert werden. Im Gegensatz zum Menschen ist im Speichel der Pferde keine Amylase enthalten, so dass im Magen der Pferde über den Speichel kein Stärkeabbau stattfinden kann.

Dennoch wird Stärke im Magen der Pferde gespalten und zwar durch die Amylase, die die Mikroorganismen im Magen besitzen. Pferde besitzen eine charakteristische Magenflora, die verschiedene Mikroorganismen enthält. Diese Mikroorganismen halten sich im drüsenlosen Magenanteil (Pars non-glandularis) auf. Die Stärke aus dem Pferdefutter kann hier zu Monosacchariden (Einfachzucker) abgebaut werden. Die Mikroorganismen im Magen der Pferde können jedoch die Kohlenhydrate über die Stufe der Monosaccharide hinaus zu organischen Säuren (z.B. Milchsäure, Propionsäure usw.) weiter verstoffwechseln.

Bekanntermaßen haften an Futtermitteln bereits Milchsäurebakterien an. Zum Beispiel wird bei der Heulagegewinnung der natürliche Besatz an Milchsäurebakterien am Gras ausgenutzt. Fraglich ist jetzt, wie groß ist der Anteil der Milchsäurebakterien, die direkt über das Futter in den Magen der Pferde gelangen und Stärke zu organischen Säuren abbauen. Im drüsenhaltigen Teil des Magens (Pars glandularis) nimmt die mikrobielle Aktivität nachweislich ab, da die Mikroorganismen bei diesem niedrigen pH-Wert schlechte Lebensbedingungen

Pferdefutter mit scharfkantiger Struktur (mechanische Irritation)

Wie bereits im ersten Fachartikel beschrieben hat die Struktur des Pferdefutters grundsätzlich einen großen Einfluss. Im Vergleich zwischen Heu und Kraftfutter ging es um die Menge an produziertem Speichel und die damit erzeugte Menge an Bicarbonat zur Abpufferung der Magensäure.

Luzerneheu besitzt im Vergleich zu Wiesenheu einen relativ hohen Calcium-, Magnesium- und Proteingehalt und kann damit den Magen pH-Wert leicht abpuffernLuzerneheu wird deshalb häufig bei Pferden in der Ration beim Abheilen von Magengeschwüren und in der Prävention eingesetzt

Aber auch die Beschaffenheit dieser Futterstruktur ist von großer Bedeutung. Ist die Struktur des Futtermittels nämlich scharfkantig, dann kann sich ein strukturiertes, aber scharfkantiges Futtermittel, auch negativ auswirken.

Ein typisches Pferdefuttermittel sind strukturreiche Luzernehäcksel. Dabei handelt es sich um getrocknete Luzerne (Luzerneheu), die neben den Blättern auch die Stängel beinhaltet. Wer diese Luzernestängel schon mal in der Hand gehalten hat weiß, dass diese Stängel sehr hart und teilweise sehr spitz und scharfkantig sind. Ein hoher Anteil dieser Luzernehäcksel in der Tagesration kann nachweislich auch zu mechanischen Verletzungen der Drüsenschleimhaut des Pferdemagens führen. Dies ist einleuchtend, jedoch wird damit der gute Ruf von Luzerne etwas geschmälert.

Als Ersatz für die scharfkantigen Luzernehäcksel kann deshalb gezielt Timothee Heu verwendet werden, das auf Grund seiner weichen Beschaffenheit auffällt.

Wie bereits berichtet, steigt ebenfalls das Risiko an Magengeschwüren zu erkranken, wenn Stroh als alleiniges Raufutter verfüttert wird. Die Strohqualität ist häufig auch sehr unterschiedlich und teilweise sehr pieksig.

Grundsätzlich sollte man in der Fütterungspraxis Futtermittel nicht pauschal einteilen in „für“ oder „gegen“ Magengeschwüre, sondern immer die Qualität und die Quantität der eingesetzten Futtermittel  berücksichtigen.

In einem weiteren dritten Teil zum Thema „Magen des Pferdes“ werden die Maßnahmen bei Magengeschwüren der Pferde beschrieben



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